Freitag, 25. Mai 2018

Die Bibliothekarin in der Wildnis - oder: Vorlesen auf dem Amthausplatz


smh - Der Mittwoch war ein aufregender Tag für mich und unsere Lernenden Jessica und Fabienne: um 13.30 Uhr packten wir unsere sorgfältig ausgewählten Lieblingsbilderbücher ein und machten uns auf den Weg zum Amthausplatz, um dort unseren Beitrag zum ersten Schweizer Vorlesetag zu leisten. Bei unserer Ankunft hatten die fleissigen Leute von Platz da?! (Aktionsmonat "Öffentlicher Raum für alle") bereits alles vorbereitet: eine mobile Bühne genannt Adapter sowie ein Pavillon, genügend Stühle, ein Korb mit Znüni und eine Kasse für die Kollekte standen bereit. Zusammen mit Jeannine David vom Alten Spital warteten wir hoffnungsvoll auf die ersten Gäste. Würde überhaupt jemand kommen?

Fasziniert beobachtete ich Jeannine dabei, wie sie mit Flyer in der Hand auf die Passanten zuging und sie ansprach. Dabei machte sie sowohl Werbung für unseren Vorlese-Stand als auch für die ganze platzda-Aktion. Etwas zögerlich versuchte ich es ihr gleich zu tun. Als Bibliothekarin bin ich mir ja gewohnt, dass die Besucherinnen zu mir kommen, wenn sie etwas brauchen.

Zu meiner grossen Freude und Erleichterung trafen schon bald die ersten Kinder in Begleitung von Grossmüttern und Müttern ein, und wir konnten loslegen. Meist waren wir zu zweit am Vorlesen, einmal sogar zu dritt. Da Zelt und Adapter bereits belegt waren, setzte ich mich mit meinem Publikum ins Bus-Häuschen. Denn an ein Vorlesen an der prallen Sonne war nicht zu denken. Das Wetter war uns nämlich überraschend gnädig - der angedrohte Regen blieb völlig aus.

Das Vorlesen machte mir viel Spass. Dabei war es gar nicht so einfach, eine Position zu finden, in der alle die Bilder sehen, und ich trotzdem noch den Text ablesen konnte. Meist las ich in Hochdeutsch und übersetze dann auch noch in Mundart - so musste ich mich nicht für das eine oder andere entscheiden und zudem verlangsamte sich dadurch der Ablauf und alle Kinder hatten genügend Zeit, das Gehörte zu verdauen. Um ihre Aufmerksamkeit zu behalten, stellte ich Fragen oder verwies auf Details in den Zeichnungen.
Einem Mädchen, das unsere Bibliothek noch nicht kannte, las ich das Bilderbuch "Ein Löwe in der Bibliothek!" von Michelle Knudsen und Kevin Hawkes vor. Dabei gab es viele Gelegenheiten, die Abläufe in einer Bibliothek zu erklären. Die Geschichte ist ziemlich lang und eher für grössere Kinder geeignet, die sich schon gut konzentrieren können.


Mit dem Pappbilderbuch "Da kommt der Wolf!" von Cédric Ramadier und Vincent Bourgeau hatte ich bei einem der kleineren Mädchen so viel Erfolg, dass ich es gleich zweimal nacheinander erzählen musste. Die Geschichte ist kurz und sehr aufregend - ein Thriller für die Jüngsten eben.


Mein liebstes Vorlesebuch bleibt natürlich "Chester" von Mélanie Watts. Die unglaubliche Frechheit des dicken Katers schaukelte die Kinder derartig auf, dass ich danach fast zwingend noch eine ruhigere Geschichte erzählen musste. Und was könnte da besser passen als das poetisch verträumte Bilderbuch "Pinguin gefunden" von Oliver Jeffers.


Nach gut zwei Stunden war der Spuk vorüber und wir kehrten zurück in die Bibliothek. Mir hat diese Erfahrung so gut gefallen, dass unbedingt bald wieder so etwas ähnliches machen möchte.

Und wie haben unsere Lernenden den Anlass erlebt? Gerne lasse ich sie selber erzählen.

Jessica Lima Henrique:


Der Vorlesetag hat mir gut gefallen und hat mir auch Spass gemacht. Es gab Kinder, die haben zugehört, aber nicht ins Buch geschaut. Da war ich verunsichert, ob sie überhaupt am Zuhören waren. Ich habe bei jedem Kind immer das gleiche Buch erzählt, alle wollten Panda Pai hören. Es sind recht viele Kinder gekommen. Die meisten kannte ich schon, da sie Benutzer von uns sind.

Jessica las die folgenden Bilderbücher vor:

"Auf leisen Tatzen" von Saskia Hula und Kerstin Schoene

 
"Elmar und das grosse Kitzeln" von David McKee

 
"Welches Tier versteckt sich hier?" von Gergely Kiss und Sabine Praml



Fabienne Fluri:

 
Dieser Nachmittag hat richtig Spass gemacht. Die Kinder haben geholfen die Geschichten zu erzählen und ihre Ideen eingebracht. Sie haben gelacht, wenn es lustig wurde und wurden ernst, wenn es gerade nicht so toll lief. Bei manchen Geschichten wurden die Kinder sogar selber zu den Personen in der Geschichte, weil sie genau gleich sind oder sich genau gleich vorstellen. Man sah richtig, wie die Kinder die Bilder in sich aufsaugten und jedes Detail sehen wollten. Sie lebten in diesem Moment in der Geschichte.
 
Fabienne hat die folgenden Bilderbücher vorgelesen bzw. erzählt:
 
"Vierzehn Mäuse und der Kürbis" von Kazuo Iwamura
 
 
"Ferien mit Barbapapa" von Annette Tison und Talus Taylor 

 
"Cooler Typ sucht süsse Gans" von Michael Schober


 
Jessica und Fabienne haben einige tolle Fotos gemacht, die das lebhafte Engagement der Kinder wiedergeben. Leider haben wir es in der Hitze des Gefechts versäumt, die Eltern um Erlaubnis zu fragen, was die Veröffentlichung dieser Fotos angeht. Um die Bilder trotzdem zeigen zu können, habe ich schweren Herzens die erkennbaren Gesichter verwischt, wodurch der Charme der Fotos leider etwas verloren geht. Sorry!
 




 
Fotos von Jessica Lima Henrique, Fabienne Fluri und Christa Schönmann Abbühl


Dienstag, 8. Mai 2018

Vorlesen auf dem Amthausplatz

www.schweizervorlesetag.ch

smh - Sehr zu unserer Freude wurden wir dieses Jahr angefragt, ob wir uns mit einer Veranstaltung am Aktionsmonat platzda?! beteiligen wollen. Uns so werden wir nun also am ersten Schweizer Vorlesetag, dem 23. Mai 2018, auf dem Amthausplatz von 14 bis 16 Uhr Bilderbücher vorlesen.

Ob überhaupt jemand kommt, und wie das genau funktionieren soll, wissen wir nicht. Es ist ein Abenteuer, dem wir mit Spannung entgegen sehen. Unsere liebsten Bilderbücher liegen jedenfalls bereit.



Platz da?!, der Aktionsmonat «Öffentlicher Raum für alle», bespielt im Mai zum fünften Mal die Gassen und Plätze der Stadt Solothurn. Die Aktionen finden überall dort statt, wo Menschen aufeinander treffen. Sie sind immer unverhofft, nie unspektakulär, meistens offensichtlich, manchmal versteckt und stets ungewöhnlich. Platz da?! ermöglicht Begegnungen zwischen Jung und Alt, schafft Öffentlichkeit und trägt dazu bei, dass Freiräume für alle Generationen lebendige und attraktive Orte sind.

Programm mit allen Veranstaltungen und Aktionen: www.platzda-so.ch

Samstag, 5. Mai 2018

Gugus? Dada!

aw - Verstecken und wieder zu Vorschein kommen ist eine der Urformen des Kinderspiels.  Mit dem Buch Gugus? Dada! von Claudia de Weck aus dem Aracari Verlag haben wir heute in der Värslistunde versucht herauszufinden welche Tiere sich wo verstecken.
Ist es ein Eisbär im Kühlschrank? Wo genau versteckt sich das Krokodil?

Das Minibook mit den Värsli zu den Tieren im Buch finden Sie hier.

Samstag, 28. April 2018

Es regnet im Kamishibai


smh - Dieses Jahr ist die Zentralbibliothek an den Solothurner Literaturtage vertreten - und zwar im Vorprogramm: bei den Countdown-Lesungen, die die Vorfreude auf die 40igste Durchführung schüren, fand in unserer Räumen die Veranstaltung mit der Nummer 3 statt.

Trotz schönem Frühlingswetter war das Kamishibai-Bilderbuch-Theater mit Bruna Matter gut besucht. Das Kamishibai ist ohnehin eher für den kleinen Rahmen gedacht, damit auch alle Kinder alles mitbekommen und einbezogen werden können.


Erzählt wurde das Bilderbuch "Ein Loch gegen den Regen?" von Daniel Fehr und Francesca Sanna. Die an sich sehr simpel gestrickte Geschichte wurde von der Animatorin durch eine breitgefächerte Anzahl an thematisch passenden Aktivitäten angereichert. Der Regen wurde besungen und mit dem Regenrohr imitiert, die Tiere konnten ihrem Lebensraum und ihrer Behausung zugeordnet werden, die Kinder suchten mit der Lupe nach dem jeweiligen Tier auf einem Bild, beantworteten Fragen und erzählten von eigenen Erfahrungen. Begrüsst und verabschiedet wurden sie vom Bücherhund Lumpi. Zum Schluss erhielt jedes Kind ein kleines Faltbooklet, in dem die Tiere eingeklebt werden konnten, und zur Stärkung haben die Literaturtage feine Hofer-Schildkrötli gespendet.

Die Kinder waren von Anfang bis zum Schluss engagiert und voll dabei - es war eine Freude, dabei zuzusehen, wie auch eher zurückhaltende Persönlichkeiten ihre Scheu ablegten und sich am Geschehen beteiligten.

Freitag, 20. April 2018

Kamishibai-Bildtheater für Kinder - es hat noch freie Plätze!



smh - Zur Erinnerung: Nächste Woche ist es soweit!

Als Teil der Countdown-Veranstaltungen, die auf die kommenden Literaturtage einstimmen, erzählt Bruna Matter das Bilderbuch "Ein Loch gegen den Regen?" von Daniel Fehr und Francesca Sanna.

Wo: Im Querbau der Zentralbibliothek Solothurn, Bielstrasse 39, 4502 Solothurn

Wann: Mittwoch, 25. April 2018 um 16 Uhr

Eintritt frei, für Kinder ab 4 Jahren

Anmeldung: jubilaeum@literatur.ch / 032 622 44 11

Samstag, 7. April 2018

Oje, Oje, oje, das tut weh...

aw - In der Värslistunde heute ging es ums Trösten. Viele Tiere hatten sich verletzt und mussten getröstet und mit Pflastern versehen werden.

Wenn Sie die Värslistunde verpasst haben und gerne noch andere "Tröstivärsli" als "Heliä, heilä säge, drüü Tag Räge..." in Ihr Repertoire aufnehmen wollen, finden Sie hier den Link zum Minibook der heutigen Veranstaltung.

Die nächste Värslistunde findet am 5. Mai 2018 um halb Zehn in der Kinder- und Jugendabteilung der Zentralbibliothek Solothurn statt.

Freitag, 6. April 2018

Die Sache mit dem Platz

Diese Woche eingetroffen: neue Kinderbuch-Reihen
smh - Wieso quellen unsere Gestelle so oft über? Dafür gibt es viele Gründe, wie zum Beispiel:

Saisonale Unterschiede bei der Nachfrage: im Moment sind die Kisten mit den Bilderbüchern und die Gestelle mit den Titeln für das erste Lesealter nur sehr locker befüllt. Gleichzeitig platzen die Serien und Krimis aus allen Nähten. Schon in wenigen Wochen kann dies genau umgekehrt aussehen. Leider wachsen und schrumpfen unsere Gestelle nicht mit. Und wir wissen auch nicht so genau, wieso wann wovon mehr ausgeliehen wird.

Grosse Auswahl: wir sind die Stadt- und Regionalbibliothek der Solothurnerinnen und Solothurner, woraus sich ableitet, dass wir über eine grössere Auswahl an Medien verfügen müssen, als eine Gemeinde- oder Schulbibliothek. Diese verweisen gerne an uns weiter. Das trifft auch auf besondere Themen zu: eine Gemeindebibliothek kann sehr spezifische Anfragen oft nicht abdecken, während von uns erwartet wird, dass wir auch Bücher über Kinderpoesie, selbstgebastelte Musikinstrumente und den Rubik’s Cube führen.

Langlebigkeit: es gibt Titel und Reihen, die bleiben ewig aktuell. Die Serien von Enid Blyton und die Jugendromane von Federica de Cesco erfreuen sich nach wie vor grösster Nachfrage. Es geht also nicht an, dass wir diese aus dem Sortiment nehmen, so sehr wir den Platz auch für Neues brauchen könnten.

Neue Reihen: Serien und Reihen benötigen logischerweise sehr viel mehr Platz als ein einzelnes Buch. Und jedes Jahr kommen neue dazu. Die meisten Anschaffungswünsche, die wir erhalten, beziehen sich auf neue Reihen und Serien.

Fantasy und YA: nicht nur sind Bücher aus den Bereichen Fantasy und YA  (young adult, also Bücher für junge Erwachsene) häufig besonders dick, es erscheint auch kaum eine Geschichte als Einzelband. Mindestens eine Trilogie muss es schon sein, dazu vielleicht noch ein Prequel (also eine Geschichte, die sich vor der Haupthandlung abspielt).

Wie man sieht, auch mit dem besten Willen und viel Fleiss beim Aussortieren älterer, wenig gefragter Titel: es bleibt ein Kampf auf verlorenem Posten. Der Bestand wächst, und die Räume und Gestelle wachsen leider nicht mit.

Kaum ein YA-Titel erscheint als Einzelband