Montag, 25. November 2013

Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2013


smh - Gestern Sonntag wurde in Bern der Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2013 verliehen. Ich habe zusammen mit meinem Sohn an der Preisverleihnung in der PROGR Aula teilgenommen.

Es war mein erster Anlass dieser Art, und ich war positiv überrascht von der guten Organisation und dem spannenden Programm. Wir erhielten Einblicke in die Juryarbeit und in das Schaffen der nominierten Künstlerinnen und Künstler.

Alle nominierten Bücher wurden vorgestellt und gewürdigt, und dann, nach einem gelungenen Intermezzo mit einem aus Bilderbuchillustrationen zusammengeschnittenen Film zur Arbeit der Jury, kam es zur Verkündigung:

Der diesjährige Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis geht somit an Hannes Binder und Heinz Janisch für das bei atlantis erschienene Bilderbuch "Ich ging in Schuhen aus Gras".

Obwohl ich Hannes Binder als Illustrator schon oft begegnet bin, ist er mir erst seit meinen letztjährigen Tessin-Ferien bewusst im Gedächtnis geblieben, nachdem ich im Dorfmuseum von Sonogno seine eindrücklichen Illustrationen zum Kinderbuchklassiker "Die schwarzen Brüder" gesehen habe.

"Ich ging in Schuhen aus Gras" ist ein Gedicht von Janisch, das Binder illustriert hat. Ein kleiner Junge reist darin durch phantastische Welten, ohne dass man beim Lesen/Schauen genau weiss, was nun Realität, Phantasie oder Traum ist.

Weiter waren folgende Titel für den Preis nominiert:

"DAS machen" von Christine Aebi und Lilly Axster ist ein ungewöhnliches Sachbuch zum Thema Sexualität/sexuelle Identität/Sexualerziehung. Die beiden Autorinnen gehen mit dem Buch auch in Schulklassen und finden damit offenbar grossen Anklang. 

"Zuerst kommt die Szene mit den Teddybären, da gibt es ein Gekreische. Danach fangen die Kinder zu reden an. Weil etwas Peinlicheres als die Szene mit den Teddybären kann es nicht mehr geben."

"Une amie pour la vie" von Emmanuelle Houdart und Laëtitia Bourget begleitet zwei Freundinnen von der Kindheit bis ins Alter durch ein Leben mit Höhepunkten und Niederlagen, Freuden und Schmerzen. Jedes Bild ist ein Kunstwerk für sich, die Frisuren und Kleider erzählen die Geschichte mit.

In "Pampa Blues" von Rolf Lappert erzählt ein 16Jähriger, der sich um seinen demenzkranken Opa kümmert, von seinen Hoffnungen und Träumen. Offenbar wollte der Verlag das Buch erst als Roman für Erwachsene herausgeben, Lappert bestand aber darauf, dass es sich an junge Leser und Leserinnen richten sollte, und er berücksichtigte das auch bei der Sprache und beim Stil. Die Sprache sei "frisch von der Leber weg" und er habe bewusst auf zu viele Nebenfiguren und -schauplätze sowie seitenlange poetische Beschreibungen verzichtet.

Gemäss Jury ist das Buch Krimi, Coming of Age Story und Liebesgeschichte, ohne sich in eine der Schubladen stecken zu lassen. Und wie der Titel schon sagt: die Sprache sei geprägt vom "Blues".

 "Quelque chose de grand" von Sylvie Neeman und Ingrid Godon: etwas Grosses sucht der kleine Junge in diesem Bilderbuch. Die Illustratorin erklärt, dass sie im Verlauf ihres langjährigen Schaffens immer mehr nach der Einfachheit sucht in ihren Bildern. Eine Einfachheit, die mich berührt hat, bei meinem Sohn aber auf wenig Verständnis stiess.

"Les Gratte-Ciel" von Germano Zullo und Albertine konnte ich mir nach dem Anlass am Büchertisch ausführlich zu Gemüte führen. Und ich war begeistert. Ich liebe den Humor in den Bildern und den kleinen Anmerkungen. Zwei Millionäre versuchen sich gegenseitig mit immer höheren Villen-Wolkenkratzern (und allerhand weiteren Statussymbolen) zu übertrumpfen, mit desaströsen Folgen für beide.

Nach dem Entstehungsprozess des Bilderbuchs gefragt, meint Zullo: "Wir sind wie zwei Kinder auf dem Spielplatz, und am Ende weiss niemand mehr genau, wer nun welchen Beitrag zum Buch geleistet hat."

Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass dieses  Buch nun auch in Deutsch erhältlich ist!

Weitere Informationen zum Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis finden sich auf der Website des SIKJM.

Zum Abschluss hatte ich noch Gelegenheit die Kinderbuchillustratorin Doris Lecher kennen zu lernen. Sie hat offenbar vor Jahren ihre erste Lesung bei uns in der Zentralbibliothek abgehalten.

Doris Lecher hat die überarbeitete Neuauflage von "Die schönsten Märchen der Schweiz" neu illustriert. Die Herausforderung war dabei, dass die Illustrationen im Buch in schwarz-weiss zu halten waren, für die Künstlerin ein ungewohntes Terrain. Sie hat sich dann von der alpinen Tradition des Scherenschnitts inspirieren lassen, was sehr gut zu den Märchen passt.

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