Dienstag, 4. Februar 2014

Wie eine erfrischende Brise

smh - In "12 things to do before you crash and burn" von James Proimos habe ich mich auf den ersten Blick verliebt. Der 16jährige Erzähler beschreibt in kurzen Kapiteln und in schnodriger Sprache seine zweiwöchigen Zwangsferien in Baltimore, einer Stadt, die ihm unendlich langweilig erscheint.

Ich habe das dünne Bändchen mit dem frechen Titelblatt in einem Zug durchgelesen und mich dabei köstlich amüsiert.

Herc kann vor dem Lesenden nicht verbergen, dass sich hinter dem Zorn über seinen kürzlich verstorbenen Vater - "Er war ein Arschloch. Mein Vater war ein vollkommenes Arschloch." - eben auch ein grosser Schmerz über den Verlust verbirgt. Vielleicht weniger über den Verlust des Vaters, wie er ihn gekannt hat, als über den Verlust der Chance auf eine Veränderung in ihrer Beziehung.

Wie er diese zwei Wochen in Baltimore verlebt und verschläft, ständig schwankend zwischen Unsicherheit und Selbstüberschätzung, auf der Suche nach seiner Traumfrau (sie sass ihm im Zug auf der Hinreise gegenüber), und dabei eine Liste von unsinnig erscheinenden Aufgaben abarbeitet, die ihm sein Onkel aufgetragen hat, hat mir beim Lesen grossen Spass gemacht.

Es ist mir egal, dass die Handlung oft besser in einen Film als in eine realistische Geschichte passt, das macht für mich sogar einen Teil des Reizes aus. Und als Frau und Mutter eines Sohnes habe ich diesen Einblick in das komplexe Innenleben eines Jugendlichen zwischen Kind und Mann sehr genossen.


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