Donnerstag, 26. Juni 2014

Bibliothek als vorbereitete Umgebung für Kleinkinder?


smh - Die vorbereitete Umgebung ist ein Begriff aus der Montessori-Pädagogik (siehe Eintrag Wikipedia). Ich verstehe das so, dass ein Umfeld für Kinder so gestaltet wird, dass sie sich möglichst selbständig darin bewegen können. Dabei muss natürlich das Alter der Kinder berücksichtigt werden. In gewisser Weise ist wohl auch die Kinder- und Jugendabteilung einer Bibliothek so eine vorbereitete Umgebung.

Allerdings stehen wir immer wieder vor der grossen Herausforderung, dass wir in einem einzigen Raum den Bedürfnissen von sehr unterschiedlichen Menschen gerecht werden möchten. Ursprünglich war die Kijubi ja eine Jubi, also eine reine Jugendbibliothek. Später wurde das Angebot erweitert für jüngere Kinder ab Kindergartenalter. Mit dem Buchstart-Projekt sind wir inzwischen bei den allerjüngsten Kindern angelangt: die Buchstart-Anlässe richten sich ja bereits an Kinder ab einem Jahr!

Daher gibt es bei uns Bücher aus Pappe, eine Sitzecke mit Holzmöbeln und Mumins-Stühlen, eine Kiste mit Stofftieren, Schemel zum drauf stehen und gegen das Umkippen gesicherte Schubladenmöbel...

Trotz unseren Bemühungen ist aber auch weiterhin die Aufsicht Erwachsener nötig: weil die Kinder manchmal auch auf die gefährlichen Rollstühle klettern, endlos am quietschenden Drehständer drehen, unser Maskottchen Findus kaputt lieben, Schilder und Bücher kreativ umräumen oder damit werfen, ältere Kinder beim ruhigen Auswählen und Lesen stören, die Treppe hoch nach oben verschwinden oder den Alarm beim Notausgang auslösen.

Ich bin oft fasziniert davon, was den kleinen Kindern einfällt, was man bei uns alles anstellen kann. Und ich greife wirklich nur sehr ungern ein, denn schliesslich tun sie genau das, was jetzt eben gerade ihrem Alter und ihrem Entdeckergeist entspricht. Bloss ist dies ab und zu im Widerspruch mit den Bedürfnissen der anderen anwesenden Menschen.

So weit möglich überlasse ich das Eingreifen daher gerne den zuständigen Erwachsenen. Oder wir suchen nach einer Möglichkeit, wie wir das Konfliktpotential reduzieren können. So haben wir zum Beispiel die Kartonwürfel, die als Sitzgelegenheit gedacht waren, wieder entsorgt: sie wurden von den Kleinen gern als Baumaterial verwendet, wofür sie schlicht zu wenig stabil waren.

Das war eine besonders kreative Aktion: ein kleines Mädchen hat systematisch die ausgestellten DS-Spiele geöffnet, die Anleitungen entfernt, und diese bei den Benny Blue Heften eingeräumt. Frau Montessori hätte ihre helle Freude gehabt.

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