Sonntag, 29. November 2015

Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis 2015


 

smh - Das passiert nicht alle Tage, dass einem ein Nationalrat ein Bilderbuch erzählt. Wobei Nationalrat Matthias Aebischer den "Frederick" von Leo Lionni ja eigentlich nicht mir, sondern den Romands näher bringen wollte, die bei der Verleihung des Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreises heute in Bern anwesend waren.

Der Nationalrat und sein Lieblings-Bilderbuch: Frederick von Leo Leonni
Nationalrat Matthias Aebischer erzählt - auf Französisch - die Geschichte von der Maus, die lieber Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für den Winter sammelt, als Vorräte, wie es die andern Mäuse tun.
Nach dieser Parabel über die wichtige Rolle der Kulturschaffenden in unserer Gesellschaft sind wir in der richtigen Stimmung für das, was kommt.
Im Gespräch mit Literaturkritiker Hans Ulrich Probst erfahren wir noch etwas über Aebischers Arbeit als Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur. Und - sehr sympathisch - über seine Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben lernen in der Grundschule.
Nach diesem liebevollen Beitrag zur Kulturpolitik wurden uns die Werke auf der Shortlist von den Mitgliedern der Jury vorgestellt. Viele der nominierten Künstlerinnen und Künstler waren anwesend und gaben in kurzen Interviews sehr persönliche Einblicke in ihr Schaffen.

Hans Ulrich Probst unterhält sich mit Ronald Curchod über dessen Bilderbuch "La nuit quand je dors..."

Der Illustrator Ronald Curchod hat dieses Jahr in Bratislava einen goldenen Apfel gewonnen.
Regina Dürig spricht über ihren Roman "2 1/2 Gespenster"
Auch die Schwester der Autorin musste sich damit abfinden, dass das Ende der Geschichte offen bleibt...
Miriam Zedelius ist die Illustratorin von "Pass auf mich auf!". Entwickelt und aufgeschrieben hat die Geschichte Lorenz Pauli. Seine Kinder waren an seiner Stelle da.
Während Paulis Kinder bei der Entstehung des Buches als Kritiker mitwirkten, hat Zedelius Sohn die Kinderschrift auf dem Titelblatt beigesteuert.

Jean-Noel Sciarini, der Autor von "L'autopsie d'un papillon", war leider nicht anwesend. Daher stand ein Mitglied aus der Jury für ihn Rede und Antwort.

In der Graphic Novel "Wonderland" hat Tom Tirabosco Erlebnisse aus seiner Kindheit aufgearbeitet.
Das sehr persönliche Buch hat in seiner Herkunftsfamilie, aber auch bei seinen Kindern, mehrheitlich positive Reaktionen ausgelöst.
Nach einem überleitenden Kurzfilm folgte die mit Spannung erwartete Ankündigung der Preisträgerin durch Jury-Präsidentin Christine Tresch:

Adrienne Barman gewinnt mit "Drôle d'encyclopédie" (Deutscher Titel: "Walross, Spatz und Beutelteufel. Das grosse Sammelsurium der Tiere")

Adrienne Barman mit Christine Tresch im Fokus der Kamera
Ich persönlich bin sehr glücklich mit der Wahl, auch wenn jedes der Werke natürlich seine Stärken hat. Das Gewinnerbuch erfüllt alle Wünsche an Originalität und ist nicht nur künstlerisch und inhaltlich wertvoll, sondern wird den Kindern ganz bestimmt gefallen.

Die junge Künstlerin freute sich sichtlich über den Preis, und versprach auch gleich eine Fortsetzung des Werks, diesmal mit Pflanzen. Sie hat drei Jahre an der Enzyklopädie gearbeitet und hunderte von Tieren gezeichnet. Dabei war es ihr wichtig, dass die Tiere wissenschaftlich korrekt dargestellt sind ("wenn eins drei Zehen hat, dann zeichne ich es mit drei Zehen") und gleichzeitig wollte sie sich beim Zeichnen amüsieren. Entsprechend witzig ist das Resultat. Sie hat das Buch auch selber getextet, fasste sich bei der Dankesrede aber extrem kurz mit dem Argument, nicht reden sei ihre Stärke, sondern zeichnen! 







Die Laudatio hielt Pascale Vandenberghe, Direktor der Schweizer Buchhandelskette Payot. Mir gefiel dass dieser im Vorfeld dem Moderator Hans Ulrich Probst vehement widersprach, als dieser das abnehmende Interesse der Jugend am Lesen von Büchern aufbrachte. Menschen die lesen seien zwar immer eine Minderheit gewesen, aber diese habe eher zugelegt, nicht abgenommen. Das zeige ja auch die steigende Produktion gerade beim Kinder- und Jugendbuch.


Der Anlass wurde übrigens konsequent zweisprachig durchgeführt, der Moderator passte sich bei den Kurzinterviews jeweils dem Gegenüber an. Die Übersetzung der Laudatio wurde auf Papier an das deutschsprachige Publikum abgegeben. Generell dominierte die französische Sprache, was ja auch den Titeln auf der Auswahlliste entsprach.

Wie die SIKJM-Präsidentin Anita Müller bei der Begrüssungsansprache sagte: es wäre schön wenn Kinder- und Jugendbücher aus der deutschen und französischen Schweiz vermehrt auch in den anderen Sprachregionen erscheinen würden. Das Gewinnerbuch zumindest ist bereits in drei Landessprachen erhältlich.

Infos zum Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis finden sich auf der SIKJM-Website.

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