Samstag, 30. April 2016

Wenn die Arbeit Früchte trägt

Illustration aus "Mein Lotta-Leben" von Alice Pantermüller (Text) und Daniela Kohl (Zeichnungen)
smh - Wer mich kennt weiss, dass ich viele Lieblingskundinnen und Lieblingskunden habe (oder Lieblingsnutzerinnen und -nutzer - aber das klingt in diesem Zusammenhang einfach ein wenig komisch). Es gibt jeden Tag so viele Begegnungen, die ein Schmunzeln, ein Glücksgefühl, simple Freude, einen Moment der Verbindung schaffen.

Das kann ein älterer Herr an der Ausleihe sein, der sich mit einer charmanten Bemerkung für die Dienstleistungen bedankt. Ein kleines Kind, dass unser Maskottchen zum Abschied verküsst. Das gemeinsame Lachen mit einer Frau, der aus Versehen ein unschönes Wort entschlüpft ist, weil sie sich über ein vergessenes Medium ärgert. Ein stummer Blickwechsel mit der Kollegin, wegen einer besonders lieblichen Szene zwischen Kindern. Ein Jugendlicher, der vertrauensvoll nach einer Empfehlung fragt. Ein Vater, der regelmässig für seine Kinder Deutsch- und Mathe-Bücher holt und dessen Deutsch von mal zu mal besser wird - weil er mit ihnen zusammen lernt. Ein jüngeres Kind, dass sich vor Freude kaum einkriegt, weil das gewünschte Buch oder Game da ist. Eine Grossmutter, die ihren Enkeln auf dem Sofa ein Bilderbuch erzählt. Ein Lehrer, der sich wertschätzend über einen für ihn zusammengestellten Themenkoffer äussert. Ein ulkiges Mail, das daran erinnert, dass man nicht alles immer so ernst nehmen sollte. Eine Familie, die selbstgemachte Pralinen vorbei bringt, um zu zeigen, wie sehr sie es schätzten, dass wir etwas "Unmögliches" für sie möglich gemacht haben ;-) Ich könnte diese Liste endlos fortführen.

Gestern haben mich zwei Mädchen besonders berührt. Sie kommen meistens zusammen in die Kijubi und machen sich gegenseitig Mut, wenn es darum geht, an der Theke um Unterstützung zu bitten. Sie sind noch nicht ganz 12, und vermutlich ist Deutsch nicht ihre einzige Sprache. Das eine Mädchen hat kürzlich nach der Reihe Lotta-Leben (von Alice Pantermüller) gefragt, und es war leider keiner der (sehr beliebten) Bände da. Also habe ich für sie nach einer Alternative gesucht, was nicht ganz einfach war, weil auch die Dork-Bände (von R.R. Russell) gerade alle ausgeliehen waren. Schliesslich habe ich ihr die etwas weniger bekannten Karlotta-Bücher von Claire Singer gezeigt. Die sind zwar nicht so üppig illustriert, aber sie haben als witziges Feature kleine Notiz-Zettel, die man auffalten und lesen kann.


Gestern hat sie dann nach weiteren Titeln aus dieser Reihe gefragt. Das ist immer ein grosses Erfolgserlebnis für mich, weil ich ja offenbar richtig lag mit der Empfehlung. Und das weiss man nie im voraus! Ihre Kollegin hingegen fragte nach Büchern über Solothurn, für einen Vortrag in der Schule.

Nun ist es so, dass wir als Kantonsbibliothek natürlich absolut jedes Buch über Stadt und Kanton Solothurn besitzen (müssen). Gerade wegen dieser Fülle, ist es aber gar nicht so einfach, ein passendes Buch aus dieser Menge heraus zu finden - die meisten davon befinden sich ja im Magazin. Und wer den Test machen will, soll mal "Stadt Solothurn" in unserem Katalog eingeben ;-) Ein weiteres Problem ist, dass Kinder unter 12 im Prinzip nur Bücher aus der Kijubi ausleihen dürfen. Und im Bestand der Kijubi hatten wir bisher zu diesem Thema schlicht zu wenig anzubieten.

Aus diesem Grund habe ich kürzlich bei der Buchhandlung Säli eine Auswahl Solothurn-Bücher (neue und antiquarische) gekauft, damit wir in Zukunft nicht mehr so blöd dastehen bei dieser Frage. Leider befinden sich diese Bücher aber noch in Arbeit, und standen mir gestern noch nicht zur Verfügung.

Wir haben dann aber eine glückliche Lösung gefunden: sie lieh sich eine kleine Mappe mit einem längeren Zeitschriftenartikel zur Stadt Solothurn aus, die wir für solche Zwecke führen, und ich gab ihr das Heimatbuch der Stadt Solothurn mit, von welchem uns die Buchhandlung gleich mehrere Exemplare dagelassen hat. Das ist zwar ziemlich alt, doch die junge Nutzerin war sehr zufrieden, und hat sich über das Vertrauen gefreut, dass wir ihr dieses Heft anvertrauen, obwohl es noch nicht im Bestand erfasst ist.

Diese Begegnung war eine von vielen, und es ist nichts Spektakuläres dabei passiert. Doch steht sie für vieles, was ich mit unserer Arbeit hier an Positivem verbinde. Diese Mädchen gehören nicht zu den Leseratten, die mit 10 dicken Büchern die Treppe hoch verschwinden. Sie haben sich bisher eher Filme und Hör-CDs ausgeliehen, und tasten sich langsam an den Bücher-Bestand heran. Es ist schön zu sehen, wie sie dabei zusehends an Vertrauen in sich selbst und in uns gewinnen, wie sie sich trauen, uns zu fragen, und dabei sowohl unser Angebot für den Freizeitbedarf als auch die Unterstützung für Schulisches nutzen.

 

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