Freitag, 15. Februar 2019

Der Bibliothekar - ein Gastbeitrag

Bild aus "Ex Libris - The New York Public Library" a Film by Frederick Wiseman
smh - Uns wurde auf verschlungenen Wegen ein Aufsatz zugespielt, aus der Feder eines jungen Bibliothekars in Ausbildung. Er setzt sich damit auseinander, was einen Menschen denn zum Bibliothekar macht - auch in Zeiten, wo die Berufsausbildung unter dem Begriff "Fachfrau/Fachmann Information und Dokumentation" läuft. Wir wünschen viel Spass bei der Lektüre!

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Ich habe keine Seele.

Und weil ich keine Seele habe, baue ich mir jeden Tag ein neues Ich aus Träumen und Idealen. Da die aber nicht besonders stabil sind, halten sie selten länger als ein paar Stunden. Manchmal kann ich dieselbe Persönlichkeit mehrmals herstellen, denen gebe ich dann Namen. Der Schüler, das Vorbild, der Anführer und der Prediger sind einige davon und machen kaum ein Zehntel aus in der Masse verschiedener Verhaltensweisen. Doch auch die halten nie lange und wenn doch, dann nur durch Zufall. Manche, wie der Narr oder der Träumer, dringen sogar von selbst in mein Unterbewusstsein ein und beeinflussen meine Gedanken und Worte, doch wenn ich sie brauche sind sie nur selten da und auch wenn sie sich einfangen lassen, verlassen sie mich normalerweise mittendrin, hilflos den Umständen die sie herbei geleitet haben ausgeliefert. Falls es einen Weg gibt, Gedankenkonstrukte zuverlässig zu machen, habe ich ihn noch nicht gefunden. Es gibt allerdings, wie bei jeder Regel, eine Ausnahme, die sie bestätigt. Jemand, den ich für fast fünf Monate sein konnte, jemand der mit mir wuchs, jemand der mir, wenn auch nur für eine kurze Zeit, eine Seele gegeben hat. Ich nannte ihn den Bibliothekar weil er... nun ja, er arbeitete in einer Bibliothek.

Der Bibliothekar wurde an einem normalen Freitag in meinem achten Schuljahr geboren. Es war Nachmittag, die Schule war aus und ich war, wie fast immer Freitags, in der Bibliothek meiner Mutter am Aushelfen. Die Arbeit, wenn auch manchmal etwas langweilig, ging mir leicht von der Hand und ich bekam immer ein gutes Mittagessen im Tausch. Ich war gerade daran, die Verkehrs-Sektion aufzuräumen, als mich ein kleiner Junge scheu ansprach, und mich fragte wo wohl „die Bücher mit den schnellen Autos seien“. Es gab schon vorher einige Male, wo mich ein Besucher mit einem tatsächlichen Mitarbeiter verwechselt hatte, aber normalerweise konnte ich ihnen nicht helfen. Ich war allerdings gerade mit dem Teil über Rennautos fertiggeworden und konnte dem Jungen daher zeigen, wo sie waren. Ich machte weiter, zufrieden mit mir selbst und war gerade am Gehen, da kam der Kleine zu mir, mit einem Buch über Ferraris in der Hand, und einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht, und sagte „Danke“. Es ist mir nicht peinlich zuzugeben, dass das einer der erfüllendsten Momente meines Lebens war.

Bücher  haben mich mein Leben lang begleitet. Ihre Geschichten haben mir die Langeweile genommen, wenn ich wieder einmal, früher als alle anderen Kinder, nach Hause kam und meine Eltern noch bei der Arbeit waren. Sie waren für mich da, wenn ich mich alleine fühlte, sie zeigten mir Sachen, die mich zum Staunen brachten und Sachen, von denen ich lieber nie gewusst hätte, dass es sie gibt. Bücher haben mich gross gezogen und sie sind ein Teil von mir, und so etwas mit jemand Wildfremdem teilen zu können, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Der Dank des jungen Autofans war das grösste Geschenk, das ich je erhalten habe. Er hat mir gezeigt, dass es etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt.

Zwei Jahre später entschloss ich mich, ein Praktikum in einer Jugendbibliothek zu machen. Dort konnte ich jeden Tag erneut in die Rolle des Bibliothekars schlüpfen. Ich konnte lernen, von einem Meister seines Handwerks, ich konnte meinen Alltag mit Büchern und Lesenden allen Alters verbringen und, das Wichtigste von allem, ich konnte Leuten die Geschichten, die ich sosehr liebe, näherbringen. Ich war glücklich.

Dann musste ich gehen. Das Praktikum war vorbei und der Bibliothekar starb und liess mich mit einem Gefühl der Leere zurück. Ich war plötzlich wieder ein seelenloser Teenager ohne einen Platz in der Welt. Es ist also unschwer zu verstehen, warum ich zurück wollte, warum ich nicht Buchhändler oder gar Kaufmann werden wollte, warum ich so stur war, dass es drei lange Jahre gedauert hat, bis ich eine Stelle bekam, von der ich dachte, da kann ich es leben, mein Ideal.

Vor einem Monat sah ich einen Film. Es ging darin um die New York Public Library, eine der revolutionärsten Bibliotheken der Welt. Und da wollte ich plötzlich nicht mehr zurück. Der glückliche Alltag war immer noch eine schöne Erinnerung, immer noch die glücklichste Zeit meines Lebens, aber ich wollte nicht wieder der Bibliothekar werden. Ich wollte mehr. Ich wollte nach New York. Ich wollte dabei sein, wenn die grossen Künstler und Philosophen die Massen inspirierten. Ich wollte Teil des Systems sein, welches Amerikas soziale Struktur aufrechterhält, das sich darum kümmert, dass alle Wlan haben und eine Chance auf einen Job. Ich entschloss mich dann und dort, meine Lehre mit Topnoten abzuschliessen, die Berufsmaturität zu machen und dann nach Cambridge, Oxford oder Manchester studieren zu gehen, um mich für eine Stelle in der New York Public Library zu qualifizieren. Ich will nicht mehr der Bibliothekar sein, der ich mal war, sondern viel mehr. Ich werde nehmen was ich bisher gelernt habe und darauf aufbauen. Ich werde büffeln und alle, die sich auch nur einmal etwas weniger Mühe geben als 120% im Staub zurücklassen, und ich werde noch schlauer, noch fähiger, noch grossartiger werden. Ich werde mir ein Selbst bauen, das aus so viel mehr besteht als nur Träumen und Geschwätz, und ich werde es werden. Ich werde der beste Bibliothekar, den die Welt je gesehen hat!

Ich habe keine Seele, noch nicht, aber ich habe einen Traum.
Und vorerst reicht mir das.

Montag, 4. Februar 2019

Schneemänner im Anmarsch

aw - Letzen Samstag haben wir, passend zum Wetter, in der Värslistunde Verse zum Thema Schneemänner, kalt haben und warm anziehen geübt.


Für alle die bei diesem herrlichen Schneewetter lieber zum Schlitteln oder Skifahren gegangen sind,  gibt es hier die Chance das Minibook auszudrucken und die Verse doch noch kennen zu lernen.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Wenn die Daten zügeln, dann spürt man das auch

So sieht das aus, wenn man in zwei Systemen gleichzeitig arbeitet ;-)
smh - Nicht nur in der Kijubi, sondern in der ganzen Bibliothek kommt momentan neben dem üblichen geschäftigen Treiben eine weitere Herausforderung für die Benutzenden und das Personal dazu. Der Umzug unserer Medien-Daten in den grossen IDS-Verbund geht nicht ohne Wogen an uns vorbei.

Seit dem 15. Januar arbeiten wir offiziell im neuen System, doch sind noch längst nicht alle Übergangsarbeiten abgeschlossen. Alles was vor dem 15.1. ausgeliehen wurde, befindet sich noch auf dem Benutzerkonto im alten Programm. Das bedeutet, dass wir im Moment noch in beiden Systemen arbeiten. Zudem kennen wir den neuen Katalog noch nicht so gut. Beides führt für unsere Besucherinnen und Besucher zu Wartezeiten, die sie sich so nicht gewohnt sind.

Die Suche sieht völlig anders aus, und da viele Medien noch am alten Ort verbucht sind, stimmt oft der Ausleihstatus nicht. Beim sich selber Einloggen auf dem Benutzerkonto und bei der Ausleihe von eBooks gibt es Übergangsbeschwerden.

Alle Mitarbeitenden sind natürlich bemüht, so schnell wie möglich alles zu lernen, was es zu lernen gibt, und die Probleme zu beheben, sobald sie auftauchen. Sobald sich die Wogen ein wenig geglättet haben, werden die vielen Vorteile, die der Wechsel mit sich bringt, so richtig spürbar werden.

Bis dahin sind wir dankbar für die Geduld und das Verständnis, die uns unsere Besucherinnen und Besucher so grosszügig entgegenbringen!

DANKE!

PS. Sobald alle Ausleihdaten im neuen System und die neuen Abläufe und Zugänge geklärt sind,  wird niemand dem alten System und seinen Doppelspurigkeiten nachtrauern. Endlich alle Daten im gleichen Katalog zu haben, bedeutet eine grosse Erleichterung. Auch die neuen Konditionen dürfen sich sehen lassen: so können neu bis zu 20 Medien (plus 8 eBooks) ausgeliehen werden, und Kinder und Jugendliche in Ausbildung bezahlen keine Jahresgebühr mehr!

Die Suchoberfläche im neuen OPAC wirkt sehr aufgeräumt